Vegaaaaahner.

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Was ich mich schon lange frage: ist der Grund, dass es Spaß macht, sich über Veganer lustig zu machen, dass man gerne selber einer wäre? Ich habe denn vollsten Respekt für alle, die das durchziehen. Ehrlich. Ich steuere das selbst an, wenn ich den Geschmack von lokalem veganen Lebensmitteln akzeptabel finde. Und ich müsste Gründe dafür finden, anzunehmen, dass ich im Winter genug pflanzliches Fett zu mir nehmen kann, ohne zu frieren. Also generell an alle Veganer: Chapeau.

Vor ein paar Tagen bin ich mit der Veganerin durch Frankfurt gebummelt, die mich immer mit ihren Peta-Posts aufgeregt hat, als ich noch Facebook hatte. Da ich nun wirklich sehr bewusst konsumiere und doch zumindest weitgehend selbst vegan gelebt habe, bevor ich schwanger wurde, finde ich, ich muss mir keine Bilder von gequälten Tieren ansehen. Das habe ich mir verdient, weil ich auf Gummibärchen und Butterkekse verzichte. Als wir allerdings mit besagter Veganerin durch die Stadt gingen, blieb sie stehen und erinnerte mich stark an einen Hund, wenn er die Wortkombination „Gassi gehen“ hört. „Was rieche ich da? Ist es eine Schweinshaxe?“ ihre Augen glänzten freudig. „Nanu, ich dachte, du bist Veganerin?“ fragte ich belustigt. „Nicht mehr.“ antwortete sie zahm. Ich habe dann elegant auf alle blöden Sprüche verzichtet. Sie ließt aber diesen Blog, also kann ich nicht behaupten, diese Situation nicht doch ein wenig ausgenutzt zu haben.

Als ich meinen Exfreund in Berlin besuchen war, habe ich einen Witz gemacht, der den meisten wohl bekannt ist. Woran erkennt man einen Veganer? Kein Problem, er sagt’s dir. Er und die andere Freundin, die dabei war, waren furchtbar beleidigt. Später am Abend hatten wir noch eine wilde Diskussion zu dem Thema. Ich muss dazu sagen, dass ich diesen Ex mit Siebzehn dazu bekehrte, Vegetarier zu werden und die Eier nicht mehr aus Käfighaltung sondern zumindest aus Bodenhaltung zu essen. (Damals gab es tatsächlich noch Eier aus Käfighaltung in Packungen.) Jetzt benutzte er tatsächlich den Begriff diskriminierte Minderheit für Veganer. Nun, Veganer haben meinen Respekt verdient. Aber nicht mein Mitleid. Sich in einem reichen Land dafür zu entschließen, keine Tierprodukte zu konsumieren ist eine privilegierte Entscheidung. Und ich will behaupten, ohne dies statistisch belegen zu können, dass die meisten Veganer Bildungsbürger sind. Obwohl ich weiß, dass es auch Arme gibt, die sich vegan ernähren, ist dies doch wesentlich Schwieriger. Und definitiv gibt es keine strukturelle Diskriminierung von Veganern.

Höchstens von Tieren.

In der Stadt der Pinguine gibt es einen Koch, der ein mal die Woche vegan kocht. Ein gutes Stück Fleisch lecker zuzubereiten, so sagt er, wäre ja kein Kunststück. Das könne ja jeder.

Fleisch ist eben lecker. Darauf zu verzichten fällt mir schwer genug. Ich bleib wohl erstmal Flexiganerin bis ich zu meinem besseren selbst finde.

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