Tetratrouble

Im Kühlschrank sind drei Tetrapacks Orangensaft mit Zink. Und ein Glas Heringe, dass ich nicht entsorgen werde, keine Chance. Drei Packungen! In welchem postapokalyptischen Szenario braucht man in einem Zero-Waste-Haushalt drei Tetras O-Saft? (Ein eisiger Wind weht über eine Landschaft aus Plastikmüll. Vitamine sind rar geworden. Säfte gibt es nur noch als Konzentrat, doch Vitamine sind das Einzige, was die Müll-Zombies davon abhält, unsere Hirne zu schlürfen. Überall stehen Zombiefallen aus gammelnden Kuhkadavern und Mountain-Dew.) „Scha-hatz, warum hast du drei Pakete Saft gekauft? Du hättest mir doch Bescheid sagen können, dann hätte ich das mit Pfandflaschen gemacht.“ Ich bin erstaunlich erbost. „Ich hatte grade Lust auf diesen Saft.“

„Ja, das kann ich ja verstehen, aber warum so viel?!“ Stellt sich raus, der Supermarkt, in dem man den Supersaft mit Zinkzusatz bekommt, ist am anderen Ende der Stadt. Ach so. Na ja, ich wollte ja Zero Waste nicht zur Ersatzreligion erheben. (Mein Freund schlägt ein Loch in das Eis über der Regentonne, um sich nach dem großen Geschäft ins Kompostklo den Hintern zu waschen. Klopapier wäre Verschwendung. Eiszapfen hängen in seinen langen Dreads, die er sich aus Shampoomangel und aus Wärmeausgleichsgründen wachsen ließ. Heizen ist schlecht für die Umwelt. Ich stehe in unserer Lehmhütte und kaue Wurzeln für einen Babybrei. „Refuse, Reduce, Reuse Recycle, Rot“ chante ich begeistert. „Mama, soll ich das Baby aus dem Kompost holen?“ fragt mich die größte unserer vier Töchter. Der Kompost ist unsere einzige Wärmequelle. Ich will antworten, aber muss statt dessen rausrennen und kotzen. Ich werde doch nicht schon wieder schwanger sein? Ach, gäbe es doch kompostierbare Kondome! ) Ich  bin trotzdem beleidigt. Es sind doch genug Vitamine in dem Essen, was ich koche. Und den Smoothies, die er sich immer macht. Mit lauter Schnickschnack. Chiasamenschleim. Macha. Brennnesselpulver. Brennnessel hätte ich nun wirklich auch aus dem Schrebergarten mitbringen können. Scheiße, was macht dieses Hausfrauending mit mir? Habe ich nicht bis vor kurzem in verrauchten Kneipen gesessen und über Performancekonzepte diskutiert, die darauf hinausliefen, sich mit gammelndem Obst bewerfen zu lassen und Tortenboden mit rohem Hackfleisch zu verspeisen?

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