Haushaltsratgeber oder warum Iyengar kopfsteht

Mein Lieblingshaushaltsratgeber ist ja meine Mutter. Und dann meine Schwiegermutter. Aber seit ich mit meinen Lieblingsmenschen zusammenwohne, von denen der größere sehr auf erbauliche Literatur steht, bin auch ich auf den Geschmack gekommen. Und nach der Lektüre von Bea Johnson, Vanessa Farquharson und Karen Kingston wollte ich gerne einiges ändern. Deswegen schlug ich meinem Liebsten vor, ein Zero-Waste-Haushalt zu werden. Er war begeisterter, als ich gehofft hatte. Zero Waste bedeutet, jeglichen Müll zu verbannen. Das ganze nennt sich auch Precycling. es sieht echt hübsch aus und ist viel besser für die Umwelt. Aus offensichtlichen Gründen. Wie man an der englischen Namensgebung unschwer erkennen kann, ist das ganze nicht in Deutschland entstanden. Trotz inspirierender Projekte wie Unverpackt.de ist es auch gar nicht einfach, hier in der Kleinstadt gewisse Produkte ohne Verpackung oder auch nur mit kompostierbarer Verpackung zu finden. Butter? Keine Chance. Ich habe sogar auf dem Markt nachgefragt. Mein Lieblingskäsestand gehört einem Bauern aus der Region. Dieser legt sich gerne mit Kunden an, hat mehrere meiner Mitstudis eingestellt und ist jederzeit bereit, mir zu erklären, warum er keine Fassbutter anbietet. „Lohnt sich nicht. So verkaufe ich 250 Gramm an jeden, der Butter will. Lose Butter, da nehmen die Leute vielleicht hundert Gramm. Und die muss ich ja dann auch für die meisten Verpacken. Hat ja nicht jeder seine Tuppa dabei.“behauptet er wild gestikulierend. Hinter mir steht eine ältere Dame die erklärt, das könne kein Schafskäse sein. „Doch, doch, dass ist Schafskäse!“ Die kleine rüstige Rentnerin richtet sich zu ihrer vollen Größe von ca. 1.60 auf. Sie schüttelt den Kopf wie eine neurotische Eule. „Da muss noch etwas anderes drin sein. Kuh! Ziege!“ beharrt sie. Ach, nun gib ihr doch Recht, der Alten, denke ich kleinlaut. Ihre Würde scheint daran zu hängen, sich gegen den Händler durchzusetzen. Diesem qualmt fast der Bart. „Die haben da nur Schafe! Der Hof hat nur Schafe und keine einzige Kuh!“

Die Alte schüttelt den Kopf aber kauft den Käse trotzdem. Wutschäumend bekommt sie ihn ausgehändigt. Ich kriege dann noch erschöpft erklärt, dass er aber kompostierbares Käsepapier hätte. Das brauche ich aber dann nicht. Ich hab ja meine Dose.

Dann geh ich noch bei der Buchhandlung vorbei und kaufe ein Yogabuch. Dieses will ich meinem Liebsten unterjubeln. Ich nehme das von Iyengar. Vor allem deswegen, weil ich der Meinung bin, dass es für ihn einfacher ist, sich zu überwinden, wenn die Fotos im Buch nicht ausschließlich von bleichen, schlanken Models sind. Wer Iyengar kennt, weiß, dass er aussieht wie eine freundliche, fitte indische Kröte.

Im Zuge der Entmüllung unseres Haushalts hat mein Freund ausgemistet. Unter anderem alle meine Möbel. Das macht mich wütend. Er beschwichtigt mich, indem er sagt, von sich selbst hätte er genau so viel rausgeschmissen. Ich hätte halt einfach weniger Zeug. Moment. Was waren denn die Auswahlkriterien? Na ästhetische halt. Ach so. Gut. Obwohl – EY!!!!!

Als mein Freund in das Buch schaut, bläst er die Backen auf. „Uff. Gibt’s da keine Übungen für Anfänger?“ Mit ein bisschen Abstand betrachtet sehen die Asanas alle tatsächlich so aus, als könne man sie ohne Gummiknochen nicht bewältigen. Vor allem nicht als mäßig gelenkiger Mittdreißiger. „Versuch’s doch mal mit Shavasana:“ schlage ich vor. „Mit Shawas?“ fragt er. „Shavasana. Die Toten-Haltung.“ erkläre ich.

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