All the bigger, better things

Zero Waste Update:

Mein Projekt Zero-Waste-Zunehmen stellt sich als ziemlich schwierig heraus. All die zuckrigen, fettigen Dinge, die ich gerne essen würde, um meinen Körperfettanteil wieder dahin zu bringen, wo ich ihn haben will, sind in zehn Schichten Plastik verpackt. Aber, good news: mein Popo ist trotzdem langsam aber sicher wieder da.

Glücklicherweise sehe ich es ja nicht ganz so eng und mische mir deswegen jetzt selber Energiesüßigkeiten, die zumindest Verpackung sparen. Und sie sind eben doch ein bisschen besser für mich, denn Raffinade-Zucker will ich sowieso nicht essen. Dafür hab ich schon zu viele Horrordokus gesehen. Bea Johnson würde sicherlich die Stirn runzeln. Auch über meinen derzeitigen Plastikwindelkonsum. Aber im Winter trocknet in einer solchen Wohnung wie der unseren eben eine Waschmaschinenladung Windeln pro Tag nicht so einfach. Es lebe der Kompromiss.

Zero Waste ist in mein Leben integriert, denn ich kaufe kaum Dinge, die in Plastik verpackt sind. Und ich habe schon viele Alternativen gefunden. Käse, occasionally Fleisch, Fisch, Quark etc. kommt in Gläser. Papier habe ich noch nicht sehr weit verbannen können. Mein Waschmittel komt aus der Papiertüte, mein Mehl auch. Puderzucker und Backpulver ebenso. Meine no-poo Haarwaschlösung ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Mein Shampoo hat mir meine Tante aus Guatemala mitgebracht und es macht meine Haare sooo fluffig, dass ich nicht darauf verzichten möchte. Mein Liebster boykottiert mich auch manchmal, aber alles in allem ist bei uns doch das allermeiste unverpackt. Ausnahmen machen das Leben schöner. Und ich lerne immer wieder Neues. Zum Beispiel, dass es im Asialaden losen Tofu und Reis gibt. Und das man sich Baklava auch in eine Tuppa füllen lassen kann. Die Verkäuferin kennt mich schön. Sie denkt, ich spinne. So wie die meisten Verkäufer. So sorry. Ich bin ungern die anstrengende Kundin. Aber mit einem netten Lächeln komme ich aus den meisten Situationen trotzdem raus, ohne mir Feinde zu machen.

Rezept für vegane Schokokrossies:

Kakaobutter

Backkakao

Mandeln

Cornflakes

Kokoszucker

Datteln

Datteln entsteinen und kleinhacken. kakaobutter in einem Topf schmelzen und mit allen anderen Zutaten zu einer matschigen Masse verrühren. Dann auf einer gefetteten Oberfläche (z.B einem Brettchen oder einem Backblech) Häufchen formen. Abkühlen lassen, in den Kühlschrank stellen, warten. Dauert nicht lange, bis sie sich wegknuspern lassen.

 

 

Erster!

Heute hat unser Kind das erste mal Mama gesagt. Obwohl es ein bisschen wie Papa klang und sie es zu ihm gesagt hat. Aber in der Alter kann ich wohl noch keine perfekte Aussprache erwarten. Sie spielt mit Bauklötzen, tanzt, krabbelt und verhält sich auch ansonsten berückend. Sie ist also außer mit der Aussprache des Wortes Mama völlig altersgemäß entwickelt. Mein Freund hat als erstes Wort Frosch gesagt.

„PAPAPAPAPPAAA!“ singen die beiden und tanzen ausgelassen durch das Wohnzimmer. „Das Geräusch könnte alles Mögliche heißen. Gestern hat sie den ganzen Tag Eideidei gesagt.“ murmele ich. „Schmollst du immer noch?“ fragt er und setzt sie neben mir ab um sich einen Kaffee zu machen. „Nee. Sag mal Mama! Mama!“ fordere ich sie auf. Sie krabbelt hinter ihm her. „Papa! Papa!“

Also das mit dem ersten Wort, das stimmt so nicht. Eigentlich sagt sie schon manchmal Mama. Immer nämlich, wenn sie sehr genervt ist. Es heißt so viel wie heb mich auf und trag mich. Oder: hör auf, in meiner Nase zu bohren.

Undank ist der Welten Lohn.

 

Der mediterrane Höflichkeitsflirt

Ich grinse meinen Lieblingsgemüsehändler an und drücke ihm die riesige, bumerangförmige Gurke in die Hand, aus der mein Freund Smoothies machen wird. Gemüse, gerade längliches, lädt ja grundsätzlich zu Kalauern ein. Auf nicht besonders niveauvolle Art wird deswegen von uns beiden die Form ebenjener Gurke beredet. Die Verfänglichkeiten, die wir da austauschen, sind natürlich Humbug. Ich werde sie hier aus pietätsgründen trotzdem nicht wiederholen. Immerhin liest meine Mama diesen Blog.

Während ich also dastehe und nicht besonders smooth über Gemüse rede, kommt mir der Gedanke, dass das für uneingeweihte illoyal wirken könnte.

Ich bin gerne nett zu Leuten. Wenn sich jemand über meine Anwesenheit freut, dann ist das schön. Wenn diese Freundlichkeit in herumschäkern umschlägt, ist das ein Nuancenspiel und sollte durchaus nicht als Einladung zu Bunga-Bunga angesehen werden. Oft halte ich direkten Augenkontakt mit Leuten, die mir etwas verkaufen. Das ist nicht geschlechtsspezifisch und nicht immer attraktivitätsgebunden. Ich nenne das den mediterranen Höflichkeitsflirt. Viele meiner Freundinnen und einige meiner Freunde sind darin auch bravourös. Eine Freundin von mir beherrscht sogar enorm viel Smalltalk auf unterschiedlichen Landessprachen, von dem ich vermute, dass sie ihn nur zu diesem Zweck einsetzt. Nicht nur deswegen praktisch, weil man ab und an Gemüse oder Tee geschenkt bekommt, sondern auch etwas, was den Alltag einfach für alle netter macht.

Kann man allerdings auch anders sehen. Der Exmann einer Freundin von mir war derartig eifersüchtig, dass er ihr verbieten wollte, sich mit Händlern anzufreunden. Glücklicherweise hat sie dies nicht getan. Sonst hätten wir sicher nur die zweitbesten Karotten von ihrem Lieblingsgemüsemann gekriegt.

In mediterranen Ländern wird das ganze übrigens oft weniger eng gesehen. Und ich könnte mir vorstellen, dass das daran liegt, dass hierzulande flirten sofort zu mehr führen muss. Jemandem ein Kompliment zu machen grenzt ja schon an eine Liebeserklärung. Schade. (An dieser Stelle sei geklärt: ein Kompliment ist nicht, wenn jemand einem Respektlosigkeiten zuruft. Ich hab noch nie so ganz verstanden, warum man das überhaupt erklären muss.)

Mein Baby „flirtet“ natürlich auch schon. Weswegen jeder ihr wohlgesonnen ist. Sogar Griesgrame können ihrem zahnlosen Lächeln nicht widerstehen. Durchaus ein evolutionärer Vorteil.

„Was gibt es heute zu essen?“ fragt mein Liebster. „Zucchini-Porreesuppe.“ antworte ich. Vielleicht sollte ich mich mit dem kochen beeilen. Er ist schon mies drauf vor Hunger. Ich drücke ihm seine Tochter in die Hände und fange an. Erstmal muss ich den Topf abspülen und die Raptexte, die auf dem Tisch liegen beiseite fegen. Und als ich gerade anfangen will, Gemüse zuzubereiten, ruft mich Baby, weil sie noch mehr Hunger hat als ihr Papa. Der ist allerdings wieder blendend gelaunt. Er sitzt verschmitzt lächelnd vorm Computer. „Huch, du bist ja das reinste Honigkuchenpferd. Was ist passiert?“ frage ich neugierig. „Ach, ein Mädchen, was ich neulich beim Radfahren getroffen habe, hat mich auf einen Kaffee eingeladen, bei Facebook. Schöner Egoboost.“ Aha. Hrmpf. Ich verziehe mich wieder in die in die Küche. Er kommt nach. „Oh, dass ist aber eine große Gurke! Und eine Riesenzucchini!“ erklärt er dem Baby.

„Das war eine Riesenzucchini.“ bemerke ich trocken, während ich sie zerhacke um sie dann genüsslich zu pürieren.

Replikatornahrung und Liebe

Seit wir zusammen wohnen, kocht mein Mister nicht mehr. Wenn ich weg bin, ernährt er sich von Brot und Smoothies. Seine Hose rutscht schon. Oder war das Hip Hop? Egal. Gut, eventuell könnte seine Weigerung zu kochen damit zu tun haben, dass ich ein ekelhafter Snob bin, vor allem schwanger. (Hast du Knoblauchpulver ins Curry getan?! Das kann ich unmöglich essen! Ist das gemahlener Pfeffer? Ich hab doch eine Pfeffermühle mitgebracht!!) Aber trotzdem ist das kein Zustand. Ich kann doch nicht immer darüber nachdenken, ob er ohne mich vielleicht verhungert. Meine Mama sagt, er ist die letzten paar Jahrzehnte gut ohne meine Kochkünste klargekommen, aber ich finde, da hat sie ganz und gar unrecht. Ich habe seine generelle Lebensqualität einfach enorm gesteigert. Er liebt matschiges Zeug. Schmatsch, wie er es nennt. Er isst genüsslich Dinge von fragwürdiger struktureller Integrität und versucht sogar, mich davon zu überzeugen. Aber wenn ich keine Lust habe zu kochen, bleiben wir meistens eher hungrig, als dass er auf die Idee kommt…Schmatsch zu kochen. Als ich Star Trek Voyager geguckt habe, konnte ich mich immer super mit Neelix identifizieren. Er kocht auch immer frisch und keiner weiß ihn zu schätzen. In jedem selbstgekochten Gericht ist eine Liebeserklärung versteckt. Manchmal an das Leben, manchmal an die Liebsten. Und wenn es abgelehnt, kalt gegessen oder mit Ketchup überschüttet wird, dann sollte der Verzehrende wissen, dass er gerade schalen Pfeffer und Sriracha-Soße auf meine GEFÜHLE gekippt hat.

Mein Freund hat Grießbrei gekocht. Es sind riesige, grässliche Klumpen drin. „Ist das Gagh?*“frage ich ihn angewidert. Er guckt ziemlich beleidigt. Hastig kippe ich viel Himbeermarmelade darüber und würge einen Löffel herunter. „Nur ’n Scherz.“ murmele ich. Meine Güte. Was ist er denn so eingeschnappt?

*für alle nicht-Trekkis: Gericht aus lebenden Würmern.

Vegaaaaahner.

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Was ich mich schon lange frage: ist der Grund, dass es Spaß macht, sich über Veganer lustig zu machen, dass man gerne selber einer wäre? Ich habe denn vollsten Respekt für alle, die das durchziehen. Ehrlich. Ich steuere das selbst an, wenn ich den Geschmack von lokalem veganen Lebensmitteln akzeptabel finde. Und ich müsste Gründe dafür finden, anzunehmen, dass ich im Winter genug pflanzliches Fett zu mir nehmen kann, ohne zu frieren. Also generell an alle Veganer: Chapeau.

Vor ein paar Tagen bin ich mit der Veganerin durch Frankfurt gebummelt, die mich immer mit ihren Peta-Posts aufgeregt hat, als ich noch Facebook hatte. Da ich nun wirklich sehr bewusst konsumiere und doch zumindest weitgehend selbst vegan gelebt habe, bevor ich schwanger wurde, finde ich, ich muss mir keine Bilder von gequälten Tieren ansehen. Das habe ich mir verdient, weil ich auf Gummibärchen und Butterkekse verzichte. Als wir allerdings mit besagter Veganerin durch die Stadt gingen, blieb sie stehen und erinnerte mich stark an einen Hund, wenn er die Wortkombination „Gassi gehen“ hört. „Was rieche ich da? Ist es eine Schweinshaxe?“ ihre Augen glänzten freudig. „Nanu, ich dachte, du bist Veganerin?“ fragte ich belustigt. „Nicht mehr.“ antwortete sie zahm. Ich habe dann elegant auf alle blöden Sprüche verzichtet. Sie ließt aber diesen Blog, also kann ich nicht behaupten, diese Situation nicht doch ein wenig ausgenutzt zu haben.

Als ich meinen Exfreund in Berlin besuchen war, habe ich einen Witz gemacht, der den meisten wohl bekannt ist. Woran erkennt man einen Veganer? Kein Problem, er sagt’s dir. Er und die andere Freundin, die dabei war, waren furchtbar beleidigt. Später am Abend hatten wir noch eine wilde Diskussion zu dem Thema. Ich muss dazu sagen, dass ich diesen Ex mit Siebzehn dazu bekehrte, Vegetarier zu werden und die Eier nicht mehr aus Käfighaltung sondern zumindest aus Bodenhaltung zu essen. (Damals gab es tatsächlich noch Eier aus Käfighaltung in Packungen.) Jetzt benutzte er tatsächlich den Begriff diskriminierte Minderheit für Veganer. Nun, Veganer haben meinen Respekt verdient. Aber nicht mein Mitleid. Sich in einem reichen Land dafür zu entschließen, keine Tierprodukte zu konsumieren ist eine privilegierte Entscheidung. Und ich will behaupten, ohne dies statistisch belegen zu können, dass die meisten Veganer Bildungsbürger sind. Obwohl ich weiß, dass es auch Arme gibt, die sich vegan ernähren, ist dies doch wesentlich Schwieriger. Und definitiv gibt es keine strukturelle Diskriminierung von Veganern.

Höchstens von Tieren.

In der Stadt der Pinguine gibt es einen Koch, der ein mal die Woche vegan kocht. Ein gutes Stück Fleisch lecker zuzubereiten, so sagt er, wäre ja kein Kunststück. Das könne ja jeder.

Fleisch ist eben lecker. Darauf zu verzichten fällt mir schwer genug. Ich bleib wohl erstmal Flexiganerin bis ich zu meinem besseren selbst finde.

Wer heilt hat recht

Globuli

Mein Baby hat erhöhte Temperatur. Ich schrieb dies auch in einer SMS, die ich ihrem Papa schickte. Beiläufig, wohlgemerkt. Wir kommen dannunddann am Bahnhof an, Baby hat erhöhte Temperatur, holst du uns ab. Sofortige Rückmeldung: Wir sollen keine Zeit verlieren und sofort nach Hause kommen. Weitere zwei Minuten später ruft meine besorgte Schwiegermutter an. Meine Tochter brabbelt derweil amüsiert vor sich hin. Das bisschen zusätzliche Wärme stört sie wenig. Sie bespaßt ein komplettes Zugabteil, nuckelt an ihrem Schlafschaf und ist generell erstaunlich munter. Sie hält beim trinken inne und reißt mir den Schal weg, den ich über sie breitete, weil es als unschicklich gilt, sich beim Füttern zu entblößen. Dann lacht sie ihr seliges, zahnloses Lachen. Irgendwann schläft sie ein. Als wir ankommen holt uns ein nervöser Papa ab, der sich wohl sorgte, ich könnte wie üblich untertrieben haben. Wie es halt so meine Art ist. Das Töchterchen wacht prompt noch mal auf, um ihn mit dem bezauberndsten Lächeln zu begrüßen, was sie auf Lager hat. Nach dem Juhu-Papa-ist-da-Blick ist er beruhigt. Ich bin neidisch. Ich werde immer nur angesehen wie eine Kugel Eiscreme. Wenn ich prüfen will, ob mir ein Ausschnitt zu tief ist, gehe ich damit auf Baby zu und warte, ob sie schmatzt.

Ich telefoniere mit meiner Mama, die wissen will, ob ich gut angekommen bin. Ich erzähle ihr von meinem Besuch in der Stadt der Pinguine, Frankfurt. Ich schwärme über den Erzeugermarkt und all die anderen Fressalien. Auf dem Markt waren Leute mit lustigem süddeutschen Akzent. Hihi. Gut dass ich keinen Akzent hab. („Mooiiin, ’n Pfund Rübn bidde.“ höre ich mich sagen.) Dann erzähle ich wieder ganz beiläufig von der leicht erhöhten Temperatur. Mein Vater drängt sich ans Telefon. „Habt ihr alles da? Säuglingsparacetamol? Zäpfchen?“ in meinem Kopf höre ich die Alarmsirenen aus Kill Bill. Warum regen sich alle so auf? Ich merke doch, ob sie in Schwierigkeiten ist. Wir haben sogar die richtige Schulmedizin da, nicht nur die homöopathischen Zäpfchen, von denen ja oft behauptet wird, sie hätten nur einen Placebo-Effekt. Vielleicht sollten alle anderen mal sowas ausprobieren. Hilft laut Packungsbeilage auch gegen aufgewühlte Gemütszustände.

Am nächsten Tag bleiben wir nach dem Markt vorsorglich im Bett. Baby darf soviel trinken wie sie will und mich ausnahmsweise auch als Schnuller benutzen. Sie speit etwas öfter als sonst, ist aber ansonsten bester Laune. Ich dagegen muss andauernd niesen.

Hm. Vielleicht hab ich eine Sympathieerkältung. Väter nehmen ja in der Schwangerschaft auch mit zu.